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Fröhliche junge Menschen im Sonnenlicht, dynamische Musik und bunte Farben: Fiat versucht mit seinem Film zur Pressekonferenz wieder mal alles, um Enthusiasmus für den neuen Tipo zu wecken. More is less! Less is more! Beim Auto kann man vieles berflüssige weglassen, so der Tenor. Wie man bei einer Städtetour gern auch mal auf den Portier und den Zimmerservice eines teuren Hotels verzichtet, und stattdessen ein Zimmer über Airbnb bucht. Irgendwie leuchtet das ein. Aber fehlt nicht doch was Wichtiges? Wir haben die Schrägheck und Kombiversion des Fiat Tipo getestet und es herausgefunden.

Ich gebe zu, ich bin mit einem eher negativen Vorurteil angereist. Die Pressemitteilungen zum Thema zeigten das Auto in grauer Lackierung und dazu hieß es auch noch, der Wagen solle rationale Werte betonen. Ein spannendes Fahrerlebnis erwarte ich also nicht, aber der Tipo kann mich auch nur noch positiv überraschen. Ein erster Rundgang zeigt mir: Von außen sieht der neue Fiat schon mal gut aus. Obwohl Fiat zur besseren Belüftung schon mal die Seitenscheiben heruntergelassen hat, riecht es innen nach billigem Plastik wie ein Aldi Turnschuh. Auch die meisten Oberflächen im Cockpit sind steinhart. Das muss einen nicht stören, vor allem, da Fiat die Stellen, wo es drauf ankommt also die Teile, die man anfasst hinterschäumt hat. Und die Optik ist auch innen in Ordnung. Vor allem bringt er den Kombi schnell in Schwung, und hält ihn auch in Bewegung, wenn die Drehzahl mal etwas abfällt. Der 1,6 Liter Motor liefert stolze 320 Newtonmeter. Akustisch fällt der Motor nicht negativ auf. Den Verbrauch des serienmäßig mit Start Stopp System ausgerüsteten Wagens nur der Basisbenziner hat keines gibt Fiat mit 3,7 Liter je 100 Kilometer an, wir brauchten mit 5,7 Liter laut Bordcomputer rund 50 Prozent mehr. Zumindest ist sie ziemlich indirekt: Wenn man bei Landstraßentempo ein bisschen am Lenkrad ruckelt, ändert sich an der Fahrtrichtung gar nichts. Lenkt man stärker nach links und rechts, schaukelt der Wagen ordentlich und wirkt schwammig. Doch einen mit quietschenden Reifen durchfahrenen Kreisverkehr absolviert das Auto, ohne dass ich ein unsicheres Gefühl bekomme. Auch der Fahrkomfort bei Unebenheiten ist für diese Klasse in Ordnung, genauso wie der Seitenhalt der Sitze.

Viel Platz in Fond und Kofferraum

Auf den Rücksitzen ist genug Platz für Erwachsene. Wenn ich den Fahrersitz für mich (1,76 Meter, Sitzriese) einstelle, und mich dahinter in den Fond setze, bleiben etwa acht Zentimeter vor den Knien und drei Zentimeter über dem Kopf. Die Sitze lassen sich wie üblich im Verhältnis 60 zu 40 geteilt umklappen. Ganz in die Horizontale bringt man die Lehnen so nicht, aber ansonsten kann man den ziemlich regelmäßig geformten Laderaum gut nutzen. Dabei hilft die niedrige Ladekante und der sehr praktische Einlegeboden, der das Herausziehen von schweren Getränkekisten vereinfacht. Das Auto benimmt sich nicht anders als der Kombi. Der Schrägheck Tipo ist 20 Zentimeter kürzer und 25 Kilo leichter, aber das spürt man nicht. Der Unterschied ist der Kofferraum: Erstens ist er mit 440 Liter natürlich kleiner als beim Kombi. Aber damit ist er immer noch der zweitgrößte der Klasse nur ein Civic bietet mit 498 Liter noch mehr. Zweitens ist das Gepäckabteil deutlich schlechter nutzbar, denn der Einlegeboden fehlt. So muss man den Getränkekasten erst rund zwanzig Zentimeter anheben, um ihn aus dem Kofferraum rauszukriegen.

Das Beste: Der Preis!

Das Beste am Tipo ist der Preis. Der Grundpreis des Tipo Schrägheck ist mit 14.990 Euro (für den 95 PS starken Saugbenziner) wirklich günstig. Nur der entsprechende Kia Cee’d ist genauso billig, wobei der Fiat minimal besser ausgestattet ist. Kia bietet dafür sieben Jahre Garantie, Fiat nur vier. Günstigere Autos in der Kompaktklasse als diese beiden aber gibt es nicht. Den gefahrenen 120 PS Diesel bekommt man ab 19.190 Euro, und auch das ist megagünstig: Nur das dreitürige Hyundai i30 Coup mit 110 PS Diesel ist noch ein paar Hunderter billiger. Die Preise für den erst ab Herbst bestellbaren Kombi stehen noch nicht fest, aber es ist zu erwarten, dass er jeweils 1.000 Euro teurer als die Schrägheckvariante ist. Für 20.190 Euro wäre die Dieselversion ebenfalls ein Schnäppchen, ja sogar das günstigste Angebot auf dem Markt.

Günstige Basispreise sind schön, aber irrelevant, wenn die Ausstattung allzu spartanisch ist. Beim Tipo können wir Entwarnung geben, bereits die Basisversion Pop hat das Wichtigste an Bord, darunter ein USB Radio, eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber vorn. Die höheren Ausstattungen Easy und Lounge kosten 1.000 beziehungsweise 2.000 Euro mehr. Beim 120 PS Diesel erfolgt der Einstieg mit der Version Easy, die dazu einen Fünf Zoll Touchscreen und elektrische Fensterheber hinten hat. Als Extras bestellbar sind zum Beispiel ein Easy Tech Paket mit Navi und Parksensoren hinten für 750 Euro, eine Sitzheizung für 250 Euro, Nebelscheinwerfer (mit Abbiegelicht) für 170 Euro und das Sicherheitspaket Plus mit City Notbremsassistent und Abstandstempomat für 500 Euro. Schnickschnack wie adaptives Fahrwerk, LED Scheinwerfer oder Fahrmodus Auswahl wird nicht angeboten. Aber auch Sicherheitsassistenten wie Totwinkelwarner fehlen komplett, und Parkpiepser gibt es nur für hinten. Und das Navi rechnet oft langsamer, als man fährt . An ein paar Details könnte Fiat also schon noch feilen, auch wenn das Gesamtpaket überzeugt.
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